„Shitstorm“ gegen ACTA – Wollen wir ein Volk von Straftätern werden?



Veröffentlicht am 12. Februar 2012 von

Die Protestwelle (von Bloggern auch „Shitstorm“ genannt)  gegen ACTA, das abseits der Öffentlichkeit auf den Weg gebrachte Abkommen zum Schutz geistigen Eigentums, zeigt eines ganz deutlich: Es müssen völlig neue Wege gefunden werden, um zu einem angemessenen Ausgleich zwischen dem Anspruch auf größtmögliche Freiheit im Netz und dem berechtigten Interesse von Künstlern, Softwareentwicklern, Film- und Musikindustrie  auf Schutz von Urheberrechten und geistigem Eigentum zu kommen. Der FDP-Mann Jimmy Schulz hat Recht, wenn er sagt, man müsse „geistiges Eigentum neu denken“. Will heißen, dass eine breit angelegte Diskussion und viel Kreativität erforderlich ist, um zu brauchbaren Lösungen zu kommen.

Wenn die Entwicklung so wie bisher weitergeht, ist vorprogrammiert, dass wir zu einem Volk von Straftätern werden, wenn wir es nicht schon sind. Seien wir doch ehrlich: In welchem Haushalt finden sich heute keine schwarz gebrannte Musik-CDs, kein von irgendwem aus dem Netz gesaugter Spielfilm, keine abgekupferte Software und – losgelöst vom Internet – keine gefakten Kleidungsstücke, Uhren oder andere scheinbare Markenartikel, die für kleines Geld aus dem Urlaub mitgebracht wurden und die den Anschein von Echtheit erwecken.

Webseiten wie kinox.to, megaupload.com und andere laden förmlich dazu ein, sich auf einfache Art und Weise an fremden Rechten zu bedienen. Die Hemmschwelle sinkt gegen Null, wenn man weiß, dass es eigentlich Jeder macht und dass es nur einiger Klicks bedarf, um zum Ziel zu kommen. Die ohnehin nicht geringe Zahl von Ladendiebstählen würde sprunghaft ansteigen, wenn Supermärkte zukünftig nachts nicht mehr verschlossen würden oder wenn die Schaufenster glaslos wären, so dass jeder Passant unschwer in die Auslagen greifen könnte. So ähnlich stellt sich – im übertragenen Sinn – die Situation im Netz dar. Und der Mensch ist mehrheitlich nicht so beschaffen, dass er jeder noch so offen präsentierten Verlockung widerstehen kann. Da muss man nicht erst auf das Beispiel unseres Bundespräsidenten verweisen.

Man wird Lösungen finden müssen, die eine Entkriminalisierung von Downloads und Kopiererei zur Folge haben und der gestiegenen Zahl von Abmahnanwälten ihre lukrative Geschäftsgrundlage nehmen. Ich denke, dass die Diskussion darüber spannend wird.

 


Kategorie: Strafblog
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