Entführter deutsch-amerikanischer Reporter Michael Scott Moore: Somalische Kidnapper wollen Lösegeldforderung mit Youtube-Video durchsetzen



Veröffentlicht am 22. Mai 2012 von

 

Youtube-Video

Abgemagert und müde sieht er aus, der dunkle Bart hat sein Gesicht verändert, die Brille fehlt und seine Stimme klingt angsterfüllt.

Ich kenne Michael Scott Moore als engagierten Prozessbeobachter aus dem Hamburger Piratenverfahren. Wir haben oft miteinander gesprochen, einige Male habe ich mit ihm zu Mittag gegessen, in der englischen Spiegel-Online-Ausgabe hat er mich zitiert. Michael ist ein sympathischer Deutsch-Amerikaner, der mit wachem Verstand recherchiert und berichtet. Im Januar ist er nach Somalia gereist, um sich vor Ort ein eigenes Bild von den Lebensbedingungen in dem von Hunger und Bürgerkrieg gebeutelten Land zu machen und über verschiedene Projekte zu berichten. Schon kurz nach seiner Einreise ist er gekidnapped worden, seine Entführer geben sich als Angehörige von 9 Somalis aus, die von US-amerikanischen Navy-Seals nur wenige Tage später bei der Befreiung von zwei anderen Geiseln, der Amerikanerin Jessica Buchanan (32) und dem Dänen Poul Hagen Thisted (60), getötet worden waren.

Michael ist danach mehrfach unter schwerer Bewachung an andere Orte verbracht worden, seine Entführer haben angekündigt, ihn im Falle von Befreiungsversuchen sofort zu töten. 8 Millionen Dollar Lösegeld fordern die Kidnapper, und jetzt hat somaliareport.com ein Video auf Youtube ins Netz gestellt, mit dem diese  ihrer Forderung offensichtlich Nachdruck verleihen wollen. 2 schwer bewaffnete Bewacher stehen hinter ihm, einer richtet einen Granatwerfer auf ihn, einer ein Maschinengewehr. Zu seinen Füßen kniet ein weiterer Bewacher, auch er hält eine Kalaschnikow auf ihn gerichtet. Eine rote Decke mit bunten Blütenaufdrucken bedeckt Michaels Kopf und Schultern, nervös knetet er seine Finger, während er in englischer Sprache interviewt wird. Innerhalb von drei Tagen müsse das Lösegeld gezahlt werden, hört man ihn sagen, von der deutschen oder der amerikanischen Regierung. Wenn nicht, dann werde er an die islamistische Al-Shabab verkauft. Und was die mit ihm machen werden  …. „I´m afraid“, sagt Michael.

Man kann nur hoffen, dass sich noch eine Lösung auf dem Verhandlungsweg erreichen lässt. Das Auswärtige Amt und das BKA sind mit der Angelegenheit befasst und sicher gibt es enge Abstimmungen mit US-Behörden. Ich möchte nicht in Michaels Haut stecken und für seine Familie ist die Situation sicher auch nur ganz schwer zu ertragen.

Ich denke, dass nicht nur ich, sondern alle Verteidiger im Piratenprozess Michael Scott Moore ganz fest die Daumen drücken. Und für „meinen Piraten“ Abdiwali gilt das auch. Er war sehr betroffen, als ich ihm das Youtube-Video gezeigt habe.


Kategorie: Strafblog
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