J. Edgar – Ein oscar-verdächtiger Di Caprio glänzt als FBI-Chef Hoover



Veröffentlicht am 31. Januar 2012 von

Quelle: Colin Chou

Sagenhafte 48 Jahre lang war J. Edgar Hoover der Leiter und das Gesicht der US-amerikanischen Bundespolizei, 8 verschiedenen Präsidenten hat er gedient. Oder besser gesagt: Während Hoovers jahrzehntelanger Herrschaft über das Federal Bureau of Investigation hat er 8 Präsidenten kommen bzw. gehen sehen, während er seine Macht und die der Bundespolizei FBI immer weiter ausbaute.

Regisseur Clint Eastwood und sein auch schon oscar-prämierter Drehbuchautor Dustin Lance Black haben mit dem jetzt in die Kinos gekommenen Film „J.Edgar“ ein ebenso kluges wie einfühlsames Porträt eines Polizeidespoten geschaffen, der als Kommunistenhasser mit ultrakonservativen Ansichten die amerikanische Innenpolitik des vergangenen Jahrhunderts wie nur wenige Andere mitgeprägt hat. Dabei nähern sie sich in einer plausibel erscheinenden Darstellung der geheimnisumrankten Persönlichkeit des ewigen Junggesellen Hoover an, indem sie das ödipale Verhältnis zu seiner von der wunderbaren Judi Dench gespielten Mutter, die ihn bewundert und protegiert und alle Schwulen hasst, und seine homoerotische Beziehung zu seinem von Armie Hammer dargestellten Mitarbeiter Clyde Tolson als mitbestimmende Elemente seines Lebens zeichnen. Naomi Watts glänzt in der Rolle als altruistische Sekretärin Hoovers, die nach dessen Tod sein ebenso legendäres wie berüchtigtes privates Aktenarchiv mit angesammelten Details über viele hochrangige Politiker und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vernichtet und damit zu einer weiteren Legendenbildung beiträgt.

Sie alle überstrahlt Leonardo di Caprio, dem es (auch mit Hilfe einer fabelhaften Maske) gelingt, die geheimnisvoll-paranoide Persönlichkeit Hoovers in ihrer Entwicklung über fast 6 Jahrzehnte hinweg facettenreich und überaus authentisch wirkend darzustellen. Der Zuschauer entwickelt ein widerwilliges Mitgefühl mit dem verfolgungseifrigen Oberpolizisten, der sich auch gerne mal mit fremden Federn schmückt, wenn er den diensteifrigen Schreiberlingen seine Autobiografie diktiert.

Di Caprio hat schon oft als überragender Darsteller brilliert, denkt man etwa an Filme wie „Gangs of New York“, „Catch me if you can“, „Aviator“, „Der Mann, der niemals lebte“, „Blood Diamonds“ und viele andere. In „J. Edgar“ liefert er ein wahres Masterpiece ab, das nur noch schwer zu toppen sein wird.

Meine Empfehlung: Unbedingt ansehen


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