Tragisch: Urteil nach 40-jähriger Haft wegen Verfahrensfehlern aufgehoben – Drei Tage nach der Haftentlassung stirbt Herman Wallace in Freiheit



Veröffentlicht am 26. Oktober 2013 von

Wegen eines von ihm immer bestrittenen Mordes an einem Gefängniswärter im Jahr 1972 hat der zuletzt 71-jährige Herman Wallace mehr als 40 Jahre im Gefängnis gesessen, bevor er am Dienstag dieser Woche auf freien Fuß gesetzt wurde. Nur 3 Tage später ist er, wie n24 berichtet, an einem Krebsleiden verstorben. „Ich bin frei, ich bin frei“, sei eines der letzten Dinge gewesen, die er seinen Anwälten noch gesagt habe, bevor er starb.

Wallace war Aktivist der Black-Panther-Bewegung gewesen, die sich vor allem in den 60er und 70er Jahren für die Rechte der schwarzen Bevölkerung in den USA einsetzte. Unvergessen sind die Bilder von Tommie Smith und John Carlos bei der Siegerehrung im 200-Meter-Lauf bei den olympischen Spielen 1968 in Mexiko, als diese beim Abspielen der US-Nationalhymne die Köpfe senkten und jeweils eine Faust mit schwarzem Handschuh in den Himmel reckten.  Der Black-Panther-Aktivist Smith hatte zuvor die Goldmedaille in neuer Weltrekordzeit gewonnen, Carlos war Dritter geworden.

“If I win, I am American, not a black American. But if I did something bad, then they would say I am a Negro. We are black and we are proud of being black. Black America will understand what we did tonight.”, hatte Smith damals der Weltpresse gesagt. Auf Betreiben des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage  wurden beide damals aus dem US-Olympia-Team ausgeschlossen und mussten das olympische Dorf verlassen. Brundage hatte damit gedroht, ansonsten das gesamte US-Team nachhause zu schicken.

Hermann Wallace war seinerzeit von einer Geschworenenjury schuldig befunden worden, gemeinsam mit zwei weiteren Mitgliedern der Black Panthers den Mord begangen zu haben. Er wurde deshalb zu lebenslanger Haft verurteilt. Jahrzehntelang war er vergeblich gegen die Verurteilung angegangen. Auch nachdem er schwer an Leberkrebs erkrankt war, lehnte die Justiz des US-Bundesstaates Louisiana eine Freilassung aus gesundheitlichen Gründen ab. Wallace kam erst in Freiheit, nachdem ein Richter das damalige Urteil wegen Verstoßes gegen das Verfassungsrecht aufgehoben hat. Der Richter Brain Jackson hatte seine Entscheidung damit begründet, dass unter den Geschworenen, die den Schuldspruch gefällt haben, keine Frauen gewesen seien. Dies schreibe die Verfassung aber vor.

Ihr Mandant habe ein Schicksal erlitten, das sich nur wenige Menschen vorstellen können, haben seine Anwälte verlauten lassen, aber er habe das „bis zuletzt mit würdevoller Zurückhaltung und Einfühlungsvermögen getan“. Traurig, dass er seine Freiheit nur so kurz erleben durfte …..

 

 

 


Kategorie: Strafblog
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