Bumerang one – Literarischer Taxifahrer sagt, wo´s langgeht



Veröffentlicht am 1. März 2012 von

„Ich weiß schon, zum Sievekingplatz“, sagt der Taxifahrer ebenso freundlich wie bestimmt, als ich in Eppendorf in sein Fahrzeug steige. Wie er das wissen könne, frage ich zurück. „Weil Sie immer zum Sievekingplatz wollen!“ antwortet er. „Ich will nicht, ich muss!“, protestiere ich, „und außerdem lasse ich mich auch häufig zum Bahnhof bringen.“ „Aber nicht von mir“, insistiert der Taxifahrer, der aus dem früheren Jugoslawien stammen dürfte, „Ich würde Sie auch nirgendwo anders hinfahren als zum Sievekingplatz!“ Das wäre dann ja geklärt.

Bumerang one von Mirso

Auf  dem Weg zum Strafjustizgebäude, wo die somalischen Piraten auf den Sitzungsbeginn warten, fragt mich mein Kurzzeitchauffeur nach dem Stand des Verfahrens. Unsäglich findet er die lange Verfahrensdauer und den damit verbundenen finanziellen Aufwand für den Steuerzahler, der doch sicher sinnhafter eingesetzt werden könnte. Ich widerspreche nicht. Ansonsten findet er Strafsachen spannend, meint er, er habe gerade selbst einen Krimi geschrieben. Er wartet meinen fragenden Blick nicht ab und holt ein Taschenbuch aus der Mittelkonsole. „Bumerang one“ lautet der in grellem Rot auf grünblauem Grund gedruckte Titel, „Kriminalroman“ steht darunter. Dem Cover entnehme ich weiter, dass der Autor sich „Mirso“ nennt, vielleicht heißt er so ja auch im richtigen Leben. Im Selbstverlag habe er das Buch herausgebracht, erkärt Mirso, 200 Stück habe er drucken lassen und in einer Woche schon 57 Stück zum Preis von 9,80 € verkauft, hauptsächlich an Bekannte in Eppendorf und an Taxikunden. Gestern habe er zufällig Harry Rowohlt kutschiert, der sei auch interessiert gewesen und hätte ein Exemplar bei ihm erstanden. Wer weiß, vielleicht wird das ja zum Entree zur großen literarischen Welt.

138 Seiten umfasst das Werk. Mirso meint, ich solle den Rückumschlag lesen, da wäre das Motto seines Romans abgedruckt. Pflichtschuldig folge ich der Aufforderung:

„Wenn man jemanden dafür nicht bestrafen kann, was er getan hat, kann man ihn für das bestrafen, was er nicht getan hat. Er war schuldig, aber sie konnten es nicht beweisen. Doch das Leben ist manchmal wie ein Bumerang …“

Recht hat der Mann, manchmal ist das so.

Beim Abschied kaufe ich ein Exemplar und sage dem Taxifahrer, dass ich jedenfalls über sein Buch bloggen werde.

Das Buch ist kurzweilig und ich lese es zwischendurch so weg. Mirso hat mir gesagt, er hätte zwei Jahre daran „in seinem Kopf geschrieben“ und es dann ganz schnell zu Papier gebracht. Als Taxifahrer hast du ja Zeit für Kopfkino, denke ich.

Bumerang one ist durchaus ansprechend geschrieben und die Handlung ist spannend genug, um bis zum Ende weiterlesen zu wollen. Die Handlung verrate ich nicht, aber vielleicht geht da ja ein neuer Stern am deutschen Krimihimmel auf. Finden Sie es selbst heraus. Ich sage nur: M I R S O

 


Kategorie: Strafblog
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