Dann erörtern wir die Sache halt ein anderes Mal – Da steckt irgendwie der Wurm drin



Veröffentlicht am 8. März 2013 von

 

München, Rathaus

München, Rathaus

Eigentlich sollte ich seit ein paar Minuten gemeinsam mit der Kollegin Nagel mit der Vorsitzenden des Schöffengerichts in München und einer Vertreterin der Staatsanwaltschaft zusammensitzen, um eine reichlich komplexe Wirtschaftsstrafe, die sich seit geraumer Zeit im Zwischenverfahren befindet, zu erörtern. Die Staatsanwaltschaft hat schon einmal die Anklage zurückgenommen und dann neu erhoben, nachdem das Gericht seinerzeit  Nachbesserungen angeregt hatte.Ob die jetzt vorliegende Anklage mehr Substanz hat, ist zumindest zweifelhaft, wir haben da eine ganze Menge an möglichen Einwendungen zusammengetragen, die wir heute zur Sprache bringen wollten.

Aber erstens kommt es manchmal anders, und zweitens als man denkt. Und das leider immer öfter. Als wir heute am Flughafen Köln ankamen, von wo wir nach München fliegen wollten, sprang  uns von der Anzeigentafel  ein dickes „annulliert“ entgegen, das irgendein daran vermutlich völlig unschuldiger Zeitgenosse hinter unseren Flug gesetzt hatte. Das Sicherheitspersonal streikte mal wieder, aber Airberlin ist anders als die Lufthansa anscheinend nicht in der Lage, solche Unbill wenigstens so früh wie möglich über´s Handy mitzuteilen. Meine Sekretärin hatte gestern Nachmittag noch gecheckt, ob mit dem Flug alles in Ordnung geht, da war von Streik noch nichts zu lesen, wie sie mir versichert hat.

Die Kollegin und ich wären ja zu allen Schandtaten bereit gewesen und haben telefonisch vorgeschlagen, den Termin um gute 2 Stunden nach hinten zu verlegen, dann könnten wir mit dem Zug nach München kommen. Ging aber leider nicht, weil die Staatsanwältin nicht konnte oder wollte, deshalb wurde der seit langem abgesprochene Termin abgesagt. Demnächst soll ein neuer Versuch gestartet werden. Für mich ist das auch deshalb besonders betrüblich, weil ich für morgen früh einen Flug von München nach Palma gebucht hatte,  ich war ja der sicheren Annahme, am Freitag  in der bayerischen Landeshauptstadt zu sein.

Alle Versuche, den Palma-Flug noch sinnvoll umzubuchen, scheiterten. Für heute war in ganz Deutschland kein Flug dorthin zubekommen, alles ausgebucht. Und morgen hätte ich auch erst am späten Nachmittag von Düsseldorf oder Köln fliegen können, alle früheren Möglichkeiten waren restlos belegt. Also habe ich mich entschlossen, doch noch mit dem Zug nach München zu fahren, wo ich am Nachmittag eine noch schnell improvisierte Mandatsbesprechung mit einem anderen Mandanten wahrnehmen kann. Dann geht´s in das ohnehin gebuchte Hotel in Flughafennähe und morgen um 6 Uhr starte ich dann nach Palma. Wenn alles gut geht, wer weiß das schon.

Einschließlich der jetzigen Zugfahrt (derzeit nur 8 Minuten Verspätung) habe ich diese Woche satte 28 Stunden im Zug verbracht, dazu 21 Stunden am Gericht und runde 14 Stunden in Besprechungen. Gestern Abend hat der letzte Mandant um 22 Uhr mein Büro verlassen. Dazwischen lag noch etliches an Aktenarbeit, die ich wenigstens teilweise im Zug erledigen konnte. Und gebloggt habe ich auch noch ein wenig. Ich finde, jetzt habe ich ein paar Tage Ausspannen auf Mallorca verdient, man gönnt sich ja sonst (fast) nichts.


Kategorie: Strafblog
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