„Die rote Linie ist überschritten“ – Anonymous droht mit Racheakten



Veröffentlicht am 27. Januar 2013 von

Aaron Swartz 2008, Urheber: Fred Benenson – User: Mecredis

Am 11. Januar 2013 hat sich Aaron Swartz,  26, Internetaktivist und Mitbegründer der Social-News Webseite Reddit und des Onlinedienstes RSS, in seinem Appartement das Leben genommen. Gegen Swartz sollte im April ein Strafverfahren wegen Datendiebstahls beginnen, ihm war seitens der US-Staatsanwaltschaft eine 35-jährige Haftstrafe sowie 753.000 Dollar Geldbuße in Aussicht gestellt worden. Mit der aus Juli 2011 datierenden Anklage  wurde ihm zur Last gelegt, rund 4,8  Millionen Dokumente der Organisation JSTOR (JournalSTORage) illegal  von deren Server heruntergeladen zu haben. JSTOR ist eine in New York City ansässige gemeinnützige Organisation. Sie betreibt ein kostenpflichtiges Online-Archiv mit älteren Ausgaben ausgewählter Fachzeitschriften, die mittels Retrodigitalisierung in elektronische Form gebracht werden. JSTOR hatte auf die Geltendmachung von zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen verzichtet, nachdem Swartz die Daten wieder gelöscht bzw. herausgegeben hatte. Inzwischen hat JSTOR angekündigt, einen großen Teil der Textbeiträge, die gemeinfrei seien, öffentlich zugänglich zu machen.

Schwarz, der  gegen eine Kaution von 100.000 Dollar freigekommen war,  litt seit Jahren an Depressionen. Inwieweit das Strafverfahren Motiv für seinen Suizid war, ist anscheinend nicht ganz klar. Gleichwohl hat die Hackergruppe Anonymous nach einem Bericht bei sueddeutsche.de nunmehr angekündigt, aus Rache für den Tod des Internet-Protagonisten zahlreiche vertrauliche Dokumente des US-Justizministeriums und weiterer Regierungsstellen veröffentlichen zu wollen. Anonymous teilte mit, unter anderem in die Datenbank der zum Justizministerium gehörenden Sentencing Commission eingedrungen zu sein, welche die Grundsätze für die Strafzumessung ausarbeitet. Es gebe „spaltbares Material für mehrere Atomsprengköpfe“ für einen Angriff auf das Justizministerium und andere Regierungsstellen. Mit dem Tod von Aaron Swartz sei eine rote Linie überschritten worden. Anonymous kritisiert sehr scharf die unverhältnismäßige strafrechtliche Verfolgung von Hackern. Auch im Falle von Aaron Swartz sei die Staatsanwaltschaft übertrieben hart vorgegangen.

Die zuständige Staatsanwältin, die mit diesen Vorwürfen konfrontiert worden war, hatte laut Wikipedia im Nachhinein mitgeteilt, Swartz hätte die Strafforderung durch ein Schuldbekenntnis auf 6 Monate reduzieren können.

Das FBI hat nach eigenen Angaben aufgrund der Drohungen von Anonymous Ermittlungen eingeleitet. Die Webseite der Sentencing Commission war gestern blockiert.

 

 


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