Indonesien vollstreckt 6 Todesurteile wegen Drogenhandels, darunter 5 gegen Ausländer



Veröffentlicht am 18. Januar 2015 von

rp_SAM_02923-300x2001.jpgDa halfen auch keine Appelle des holländischen Königs Willem Alexander und der brasilianischen Präsidentin Dilma Roussef. In der vergangenen Nacht wurde auf der indonesischen Insel Nusakambangan und auf der Hauptinsel Java sechs wegen Drogenhandels zum Todes verurteilte Menschen hingerichtet, darunter 5 Ausländer. Die Männer, die kurz nach Mitternacht von Erschießungskommandos getötet wurden, stammen aus den Niederlanden, Brasilien, Vietnam, Malawi, Nigeria und Indonesien.

Es waren, wie welt.de berichtet, die ersten Hinrichtungen im mit knapp 250 Millionen größten Inselstaat der Welt seit dem Amtsantritt des aktuellen Ministerpräsidenten Joko Widodo im vergangenen Oktober. Widodo hatte die Gnadengesuche der Verurteilten im Dezember abgelehnt.

Die brasilianische Staatschefin hat ihren Botschafter in Indonesien vorübergehend zu Beratungen abberufen und ihre Bedrückung und Empörung über die Hinrichtungen, darunter ihr  53-jähriger Landmann Marco Archer Cardoso Moreira, bekundet. Auch der niederländische Botschafter wurde zunächst aus Jakarta abberufen. Der holländische Außenminster Koenders wird zitiert, er sei „unendlich traurig“ über den Tod der sechs Menschen.  Einer davon war der 62-jährige niederländische Staatsangehörige Ang Kiem Soei, der in Indoniesien ein Ecstasy-Labor betrieben haben soll. König Willem Alexander  und auch der holländische Ministerpräsident Mark Rutte hatten vergeblich direkten Kontakt zum indonischen Staatschef aufgenommen und versucht, diesen zu einem Gnadenakt zu bewegen. Auch Bemühungen der EU-Außenbeauftragten Federica Mogherini waren gescheitert.

Amnesty-International-Vertreter Rupert Abbott habe  von einem „sehr traurigen Tag“ gesprochen, heißt es in dem Beitrag. Gleichzeitig forderte er die Regierung Indonesiens auf, von weiteren geplanten Hinrichtungen abzusehen. Auf der Todesliste stehen für dieses Jahr noch 20 weitere Personen, darunter eine britische Großmutter, zwei Australier und ein Franzose.

Ich denke, der Kampf gegen die Todesstrafe ist gleichzeitig auch ein Kampf für eine humanistische Kultur. Wer sich über die Mordtaten von radikalen Islamisten, verirrten Rechtsextremen, Rassisten, dumpfbackenen Ausländerfeinden oder anderen Verrückten zu Recht empört, sollte nicht Gleiches mit Gleichem vergelten wollen. Töten von Menschen muss immer ultima ratio im Falle einer konkreten, gegenwärtigen Verteidigungs-, Notwehr- oder Nothilfelage bleiben. In Kriegen oder kriegsähnlichen Situationen mag es eine Rechtfertigung für Tötungshandlungen, so schlimm das auch ist,  geben. Aber niemals kann es gerechtfertigt sein, wehrlose Gefangene, was immer sie getan haben mögen, von Staats wegen  im Namen der friedliebenden Gemeinschaft umzubringen. Bei uns Europa ist das seit geraumer Zeit offizieller politischer Konsens. Es ist traurig, dass ein Staat wie die USA, in dem die individuellen Freiheitsrechte ja auch und in ganz besonderem Maße in der Verfassung verankert sind, das anders handhabt. Von Ländern wie China, Iran und  vielen anderen asiatischen, arabischen und afrikanischen Staaten will ich erst gar nicht reden.

Der Aufschrei gegen die Todesstrafe darf nie verstummen, so lange sie nicht weltumspannend geächtet wird.


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