Keine Spur von Etan Patz



Veröffentlicht am 24. April 2012 von

Etan Patz 1978, Foto: Stanley K. Patz

Ziemlich spektakulär hatte das FBI in den vergangenen Tagen eine große Suchaktion im Keller eines Mietshauses im New Yorker Stadtteil Manhattan angekündigt. Mit Presslufthämmern, Spitzhacken und Schaufeln waren Mitarbeiter der Bundespolizei angerückt und hatten nach Blutspuren und Kleiderresten des 1979 vermissten, damals 6-jährigen Etan Patz gesucht. Wie spiegel-online mitteilt, ist die Suchaktion wohl erfolglos geblieben. Damit bleibt einer der spektakulärsten Kriminalfälle der jüngeren US-amerikanischen Geschichte auch nach mehr als 30 Jahren unaufgeklärt.

Am 25. Mai 1979 war Etan von zu Hause aus aufgebrochen, um zum Schulbus zu gehen. Es war das erste und tragischerweise auch letzte Mal, dass seine Eltern ihn nach langem Quengeln alleine gehen ließen. Am Schulbus kam das Kind nie an. Sein Vater Stan Patz und seine Mutter Julie hatten damals – unterstützt von der Polizei und großen Teilen der Bevölkerung – Himmel und Erde in Bewegung gesetzt, um das Kind zu finden. Überall in Manhatten wurden Fotos von dem Jungen aufgehängt, zahllose Freiwillige und Polizisten suchten, auch mit Bluthunden und Helikoptern, nach dem Kind. Etans Konterfei wurde auf Milchpackungen aufgedruckt, in fast jedem US-amerikanischen Haushalt war sein Bild zu sehen. 1983 wurde der Tag, an dem der hübsche blonde Junge mit den blauen Augen verschwand, von damaligen US-Präsident Ronald Reagan zum „National Missing Children´s Day“ erklärt. Den gibt es heute noch.

Auch international wurde nach dem Kind gesucht, unter anderem in Deutschland, in der Schweiz und im Nahen Osten. Etan blieb verschwunden. Er wurde 2001 für tot erklärt.

Ein später in anderer Sache verurteilter Sexualstraftäter, der mit Etans Kindermädchen liiert war, geriet damals in Verdacht. Die Beweislage reichte aber nicht aus, ihm die Tat nachzuweisen. Allerdings wurde der Mann namens José Antonio Ramos 2004 in einem Zivilprozess zur Zahlung von 2 Millionen Dollar an Etans Eltern verurteilt. Die Anforderungen an die Beweislast sind in den USA im Zivilprozess oft niedriger als im Strafverfahren und der Richter erklärte Ramos für haftbar. Geld haben die Eltern allerdings nie von ihm gesehen. Im Herbst dieses Jahres soll Ramos aus dem Gefängnis freikommen.

Ein neuer Staatsanwalt hatte sich jetzt nach vielen Jahren des Falles angenommen. Die Ermittlungen konzentrierten sich nicht auf Ramos, sondern auf einen heute 77 Jahre alten Handwerker namens Othneil Miller, der damals für die Eheleute Patz gearbeitet hatte und seine Werkstatt im Keller eines Hauses hatte, das nur unweit von deren Haus entfernt lag. Dorthin rückte jetzt die Bundespolizei an, um vielleicht zu einem späten Ermittlungserfolg zu kommen. Wände wurden eingerissen, der Boden wurde aufgebrochen, Blutspuren wurden gesucht – alles vergeblich, wie sich jetzt herausstellte. Kein spektakulärer Erfolg für den Staatsanwalt – der Fall bleibt weiterhin ungeklärt.

 


Kategorie: Strafblog
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