LSD gegen Alkoholismus: Horrortrip oder Patentrezept?



Veröffentlicht am 13. März 2012 von

 

Die Folgen von Alkoholimus belasten die Volksgesundheit und die Budgets der Krankenkassen. Alkoholkonsum fördert nicht selten die Kriminalität, insbesondere bei Körperverletzungs-, Ehrschutz- und Sexualdelikten. Norwegische Forscher haben jetzt ein nicht ganz neues Thema aufgegriffen und wollen Alkoholsucht mit LSD bekämpfen. Die psychedelische  Droge LSD (Lysergsäurediethylamid) gilt als eines der stärksten Halluzinogene und hatte in Deutschland in den 60er und 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ihre große Zeit, bevor sie von anderen, moderneren Suchtmittel weitgehend verdrängt wurde. Eine leichte Renaissance ist in den letzten Jahren zu beobachten. Seit 1971 gilt LSD in Deutschland als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel, dessen Herstellung, Erwerb und Verkauf  strafbar ist.

Die beiden norwegischen Forscher Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim haben jetzt im Rahmen einer Studie 6 ältere Untersuchungen aus den 60er und 70er Jahren zur Behandlung von Alkoholsucht mit LSD ausgewertet und sind zu dem Ergebnis gekommen, dass schon die einmalige Einnahme von LSD durch Alkoholiker dazu führen kann, dass diese dauerhaft „trocken“ werden. Mehr als die Hälfte der damaligen Teilnehmer an den Untersuchungen hätten angegeben, nach einer Dosis LSD deutlich weniger Alkohol zu trinken. Wie bei heilpraxis.net

LSD-Strukturformel

nachzulesen ist, zeigten die Behandlungen mit LSD eine erstaunlich lang anhaltende Wirkung. Die Probanden hätten zum Teil noch nach 6 Monaten angegeben, deutlich weniger Alkohol zu trinken. In 3 der 6 Feldstudien sei die Alkoholkrankheit sogar dauerhaft überwunden worden.

Die abstinenzfördernde Wirkung des Halluzinogens erklären die Forscher damit, dass diese in den Serotoninhaushalt eingreife, wodurch neue Verbindungen von Nervenzellen gefördert würden. „Nach ihrer Erfahrung mit LSD zeigten die Patienten mehr Selbstakzeptanz, sie waren offener und vertrauten eher ihren Problemlöse-Fähigkeiten“, werden die Forscher zitiert. Auch der ehemalige Drogenbeauftragte der britischen Regierung, David Nutt, soll sich von der positiven Wirkung der synthetischen Droge auf  Alkoholkranke überzeugt zeigen. Abhängige müssten ihr Selbstbild verändern, um sich vom Alkohol lösen zu können. Genau dabei helfe LSD. Dieses müsse gegebenenfalls auch im Rahmen einer Dauertherapie monatlich oder wöchentlich um zu einer dauerhaften Lösung des Alkoholproblems zu führen, meinten Krebs und Johansen. Letztlich müssten die Erkenntnisse der damaligen Studien aber erst durch neue Untersuchungen verifiziert werden.

Die Forscher betonen, dass die Vergabe von LSD nur unter der Aufsicht von Psychologen erfolgen dürfe. LSD zeige bereits in sehr geringer Dosierung eine lang anhaltende pseudohalluzinogene Wirkungen, bei der unter Umständen bestehende Ängste oder Depressionen verstärkt und ein sogenannter „Horrortrip“ ausgelöst werden könne. In seltenen Fällen führt die Einnahme von LSD auch zum Ausbruch einer bereits latent vorhandenen Psychose. Den Betroffenen ist im schlimmsten Fall auch mit therapeutischen Maßnahmen nicht mehr zu helfen und sie sind ein Leben lang auf Betreuung angewiesen. Unter Aufsicht eines erfahrenen Psychologen lässt sich laut Aussage der Experten das Risiko psychischer Störungen im Rahmen der LSD-Therapie jedoch minimieren.


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