Mallorca: Welch ein Absturz – 11 1/2 Jahre Freiheitsstrafe und sofortige Haft für die frühere „Inselkönigin“



Veröffentlicht am 30. Juli 2013 von

12 Jahre lang war Maria Antónia Munar die mächtigste Frau der Balearen und nicht ganz so heimliche „Inselkönigin“, seit vergangener Woche sitzt die 58-Jährige im Gefängnis. Als Vorsitzende der regionalen Kleinpartei UM (Unió Mallorquí) hatte Munar im Dauerwettstreit zwischen der konservativen Partido Popular (PP) und der sozialistischen PSOE mit Erfolg das Zünglein an der Waage gespielt und war viele Jahre lang Vorsitzende des politisch mächtigen Inselrates der Balearen und zeitweise auch Parlamentspräsidentin im Regionalparlament von Palma de Mallorca. Es gab kaum ein Ereignis von Rang, bei dem Munar fehlte, ihre Macht schien unantastbar.

Im Rahmen der seit einigen Jahren durch die Justiz forcierten Bekämpfung der Korruption in der spanischen Politik war Munar seit einiger Zeit in den Focus von Ermittlungen geraten und schon im vorigen Jahr – noch nicht rechtskräftig – wegen Vorteilsnahme und anderer Delikte zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden. Jetzt kamen noch einmal 6 Jahre hinzu. Der balearische Oberlandesgericht in Palma sah es als erwiesen an, dass die Ex-Politikerin an der betrügerischen Vergabe eines Bauauftrages in Höhe von 30 Millionen Euro an die Firma Sacresa mitgewirkt habe. Ein anderer Bewerber, der 60 Millionen Euro geboten hatte, war leer ausgegangen, weil seitens der Sacresa vier Millionen Euro Schmiergelder gezahlt worden waren, von den jeweils 600.000 Euro direkt an die damalige Inselratsvorsitzende und ihren Vize Nadal sowie einen weiteren Politiker geflossen sein sollen. Der Rest sei in die Parteikasse der UM gewandert und von Munar verwaltet worden.

Wie die deutschsprachige Mallorcazeitung berichtet, haben die Richter in Palma die sofortige Verhaftung Munars wegen Fluchtgefahr angeordnet, weil davon auszugehen sei, dass sie Geld im Ausland deponiert habe. Eine Freilassung auf Kaution hätten die Richter ausgeschlossen. Munars Verteidigung hätte vergeblich unter Hinweis auf deren schlechten Gesundheitszustand Haftverschonung beantragt.

Munars frühere Vize Nadal wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, der Unternehmer Román Sanahuja wurde wegen Bestechung mit einem Jahr Freiheitsstrafe belegt.

 

 

 


Kategorie: Strafblog
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