Massenmord in Kallmerode? – Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht



Veröffentlicht am 10. August 2013 von

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Ich muss zugeben, die thüringische Ortschaft Kallmerode mit ihren gut 600 Einwohnern war mir bis vor wenigen Monaten kein Begriff. Das Dorf gehört laut wikipedia zur Verwaltungsgemeinschaft Dingelstädt und liegt im Landkreis Eichsfeld. Die Bevölkerungsdichte liegt bei 107 Einwohnern je Quadratkilometer, und die kämpfen dem äußeren Anschein nach seit einiger Zeit verzweifelt um ihr Leben.

Ich bin erstmals im Februar dieses Jahres auf Kallmerode aufmerksam geworden, weil damals ein interessantes Wirtschaftsstrafverfahren vor dem Landgericht Mühlhausen begonnen hat, und auf dem Weg dorthin kommt man durch das gar nicht so verschlafene Nest. Was Jedem, der das Örtchen durchquert, sofort ins Auge springt, sind die zahlreichen Protestplakate, die entlang der B 247 auf jedem dritten Grundstück (nein, genau gezählt habe ich das nicht!) aufgestellt sind, und die deuten auf Massenmord oder zumindest höchste Lebensgefahr für die Dorfbewohner hin. „An dieser Straße werden unsere Familien vergast!“, heißt es ganz martialisch auf einem vor einem Privathaus angebrachten Plakat. Zurückhaltender formuliert es eine große Tafel direkt am Ortseingang, wenn man von Mühlhausen kommt. „Vorsätzliche Körperverletzung durch Lärm, Feinstaub und Abgase!“ ist da zu lesen, „Tatort Wohn-Gulag Kallmerode“ steht darüber geschrieben. Es geht um eine seit Jahren geforderte Ortsumgehung, um den in der Tat oft dichten Fernverkehr aus der jetzigen Ortsdurchfahrt  zu verbannen. Da sind wohl schon eine Menge Versprechungen gemacht und nicht gehalten worden, jedenfalls sehen das viele Anwohner so.

„Wo Recht zu Unrecht wird – wird Widerstand zur Pflicht“ artikuliert ein Protestler, und die Worte „Recht“ und „Unrecht“ sind mit roter Farbe untermalt.Kallm4

Besonderen Zorn hat allem Anschein nach die CDU-geführte Landesregierung mit der Ministerpräsidentin Lieberknecht bei den Bewohnern auf sich gezogen, deren Partei ist jedenfalls Zielscheibe vielfältiger Beschimpfungen. Die Buchstaben CDU werden da beispielsweise mit „Chronik Der Unwahrheiten“ oder „Clan Der Unchristlichen“ übersetzt, und weil die Politik bislang versagt hat, wird auch die Religion zur Lösung des Problems bemüht.  „Wir bitten den heiligen Vater, 3 x  für unsere lügenden und scheinheiligen Politiker zu beten“, lässt ein Plakat verlauten, während wieder andere Mitbürger ganz profan einen „Rettungsschirm“ für Kallmerode fordern.

Gestern war der 18. oder 19. Verhandlungstag in Mühlhausen, ich weiß es aus dem Kopf heraus nicht ganz genau, und auf dem Rückweg habe ich mit meinem iPhone ein paar Fotos von den Protestplakaten gemacht, die ich in den vorliegenden Beitrag einstelle.

Dem CDU-Landrat Henning gefallen die Plakate nicht, der hat schon vor einem Jahr in einem Brief an den Gemeinderat, den er in Kopie auch an die örtliche Presse schickte, die Beseitigung der Plakate gefordert. Dabei hatte er offensichtlich auch die Gesundheit und persönliche Integrität der Dorfbewohner im Auge, denn er wies darauf hin, dass sich niemand „den auf den Plakaten abgebildeten Realitätsbeschreibungen“ entziehen könne, und dies „ungeachtet der Frage, was er selbst zu den plakatierten Ansichten sagen würde“. Außerdem sei, so Henning, mit dem Bau der  Ortsumgehung  doch „frühestens nach 2015“ zu rechnen.

Die „Bürgerinitiative Umfahrungsstrecke Kallmerode“ hat hierauf empört reagiert, und die ehrenamtliche Bürgermeisterin Marion Weise hat auf das Grundrecht auf freie Meinungsäußerung hingewiesen und gemeint, dafür sei man ja 1989 auf die Straße gegangen. Die Gemeinde werde jedenfalls nichts unternehmen, um die Plakate aus dem Straßenbild zu entfernen.

Kallm1Fest steht, dass die Plakate auch ein Jahr später noch dort stehen, es hat den Anschein, als seien sogar noch ein paar zusätzliche hinzu gekommen. Da hat es bislang auch nichts genützt, dass einige CDU-Mandatsträger laut einem Zeitungszitat „kategorische Strafen“ gefordert haben und Maßnahmen zur Beseitigung der Plakate einleiten wollten.

Also, ich halte mich da raus, ich bin ja kein Bürger von Kallmerode. Aber ein Thema für den strafblog ist´s allemal, schließlich geht es ja um Körperverletzung und Vergasung, also um Massenmord an der Bevölkerung. Und vielleicht auch um Ehrschutzdelikte zum Nachteil gewisser Politiker…

 

 


Kategorie: Strafblog
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