Warum soll der/die 11-jährige Alex in die Psychiatrie?



Veröffentlicht am 24. März 2012 von

Weil die getrennt lebenden Eltern sich nicht über die medizinische Behandlung ihres 11-jährigen Kindes einigen konnten, übernahm das Jugendamt Berlin die Gesundheitsfürsorge für Alex, der sich von klein auf als Mädchen fühlte und auch so lebt.
Eine für das Jugendamt tätige Betreuerin soll nach einem einstündigen Gespräch mit dem Kind zu dem Ergebnis gekommen sein, dass die Mutter die Transsexualität bei Alex „induziert“ habe. Alex müsse zur medizinischen Behandlung in die Berliner Charité eingewiesen werden. Gegen eine entsprechende Entscheidung des Jugendamtes klagte die Mutter und verlor. Am Donnerstag gab das Kammergericht Berlin dem Jugendamt Recht. Der nunmehr behandelnde Chefarzt Klaus Beier will Alex sein „biologisches“ Geschlecht verdeutlichen und das „geschlechtsatypische“ Verhalten so unterbinden. Obwohl namhafte Sexualwissenschaftler – wie Hertha Richter-Appelt aus Hamburg – die Auffassung Beiers für überholt halten, verweigerte das Kammergericht die Einholung eines psychiatrischen Gutachtens zur Frage, ob tatsächlich eine wissenschaftlich bis dato noch nicht nachgewiesene Induktion möglich ist und ob die Zwangstherapie notwendig ist. Dem Kammergericht genügten die angeblich nachvollziehbaren Ausführungen der Pflegerin. Daher sei die von der Mutter befürwortete Untersuchung in den einzigen Spezialkliniken für Transsexualität an der Uni in Hamburg oder Frankfurt nicht notwendig. Der Anwalt von Alex will nun vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Wie die taz in ihrer heutigen Online-Ausgabe berichtet bekommt Alex nun auch „Unterstützung von MenschenrechtsaktivistInnen. Am Montag um 15 Uhr wird das ‚Aktionsbündnis Alex‘ vor der Berliner Senatsverwaltung für Jugend demonstrieren, Motto: ‚Zwangspsychiatrisierung von Alex sofort stoppen!‘ ‚Dies ist keine Einzelgeschichte‘, heißt es in dem Aufruf. ‚Institutionen wie das Jugendamt und die Charité üben durch Zwang und psychischen Druck Gewalt auf Menschen aus! Jedes Geschlecht und jede Geschlechtsidentität ist ein Recht, keine Krankheit.‘ Auch eine Unterschriftenkampagne ist auf den Weg gebracht. Die britische transsexuelle Aktivistin Katrina Swales startete sie auf Change.org. An Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit gerichtet, heißt es dort: ‚Diesem jungen Mädchen wird beigebracht, dass seine Gefühle falsch sind, es wird somit immer mehr in jene Selbstverneinung gedrängt, welche schon das Leben so vieler Transsexueller gefordert hat.‘ Unterschrieben haben über 9.000 Menschen.“


Kategorie: Strafblog
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