Welch ein Mörderpack! „Je suis Charlie!“ Das Attentat auf Charlie Hebdo betrifft uns alle!



Veröffentlicht am 7. Januar 2015 von

rp_Foto-2-300x216.jpgEntsetzlich ist das Attentat, welches mehrere bewaffnete Männer heute morgen auf die Redaktion der französischen Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ verübt haben. Von mindestens 12 Toten und etlichen Verletzten ist die Rede. Der Chefredakteur Stéphane Charbonnier, als Zeichner auch unter dem Namen „Charb“ bekannt, und drei weitere Zeichner des Magazins sowie zwei Polizisten sollen laut faz.net unter den Toten sein.

Ohne vorschnell sein zu wollen, spricht doch alles für einen Angriff radikaler Islamisten. Mindestens zwei vermummte Männer sollen mit Kalaschnikows und einem Granatwerfer  bewaffnet in die Redaktionsräume im 11. Arrondissement im Zentrum von Paris eingedrungen sein und gezielt auf die anwesenden Redakteure und Zeitungsmitarbeiter geschossen haben. Danach habe es, so wurde auch in anderen Medien berichtet, einen Schusswechsel mit dem Sicherheitspersonal, darunter auch ein eigens als Personenschützer für „Charb“ abgestellter Polizist, gegeben. Auf der Flucht in einem dunklen Citroen DS wurde dann wohl ein weiterer Polizist angeschossen und ein Fußgänger überfahren. Die Täter sollen nach Zeugenangaben „Allah ist groß“ und „Wir haben den Propheten gerächt“ gerufen haben.

Das Magazin hatte wiederholt Karikaturen von Mohammed und satirische Beiträge über den Islam veröffentlicht. Einzelheiten sind in dem FAZ-Beitrag nachzulesen.

Rund 3.000 Polizisten sind derzeit auf der Jagd nach den Tätern, die inzwischen das Fluchtfahrzeug gewechselt haben sollen. SAMSUNG CSCIm Radio habe ich soeben gehört, dass es auch Handy-Videos von Überfall geben soll. Die werden heute sicher noch um die Welt gehen.

Die Bestürzung über den Anschlag ist naturgemäß groß. Frankreichs Präsident Hollande und Bundesanzlerin Merkel, US-Präsident Obama und auch Russlands Putin äußerten Beileid und Entsetzen. Auf Twitter haben schon tausende User ihre Solidarität mit dem Magazin und den Opfern unter dem Hashtag #jesuischarlie (Ich bin Charlie) bekundet. Tatsächlich betrifft der Anschlag uns alle. Der in Syrien und im Irak zum Alltag gewordene Terror rückt näher. In einem Rundfunkbeitrag habe ich gehört, die Aktion sei mit militärischer Präzision von offensichtlich waffengeschulten Personen durchgeführt worden. Vermutungen, es könnte sich um Attentäter handeln, die in den genannten Ländern Kampfererfahrung gesammelt haben, müssen nicht zutreffen, sind aber auch nicht von vornherein von der Hand zu weisen. Die Strafverfolgungsbehörden auch in Deutschland haben schon wiederholt darauf hingewiesen, dass zurückkehrende „Kämpfer“ ein großes Sicherheitsrisiko darstellen können. Als „Sleeper“ könnten sie eine Zeit lang untertauchen oder sich unauffällig verhalten, um dann irgendwann mit Brutalität zuzuschlagen.

Das Attentat von Paris geht uns alle an. Einerseits, weil es die zunehmende Islamophobie begünstigt und damit Wasser auf die Mühlen islam- und ausländerfeindlicher Menschen und Organisationen, die sich teilweise bei PEGIDA wiederfinden, gießen. Andererseits aber auch deshalb, weil damit Terror gegen die Presse- und Meinungsäußerungsfreiheit und damit gegen Grundfesten der Demokratie verübt wird. Ein Klima der Einschüchterung und Angst soll erreichen, dass Menschen sich nicht mehr trauen, öffentlich ihre Meinung zum Islam oder einiger seiner Erscheinungsformen zu äußern. Das sind totalitäre Unterdrückungsmechanismen, gegen die mit aller – auch staatlichen – Macht und mit Zivilcourage vorgegangen werden muss. In diesem Sinne bin ich auch Charlie Hebdo.

Es ist zu wünschen, dass sich viele bei uns lebende Muslime  gegen diesen Terror wenden und dies auch öffentlich zum Ausdruck bringen. Selbst wenn sie mit der redaktionellen Linie von Charlie Hebdo nicht einverstanden sind. Hier geht es um sehr viel mehr als um religiöse Befindlichkeiten. Es geht um die Freiheit an sich, und die kennt keine religiösen Schranken.


Kategorie: Strafblog
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